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proadvise@News: Siemens Case Study

Geschrieben von Andreas Kories.

Siemens optimiert Produktentstehungsprozess durch eine Vernetzung von Anforderungs- und Projektmanagement mit Hilfe eines Projektmanagement-Tools1

Herausforderung Zeitführerschaft am Weltmarkt. Mit durchgängigen Hardware- und Software-Technologien und umfassenden Branchenlösungen für die Produktions-, Transport-, Licht- und Gebäudetechnik hat sich der Siemens Sektor Infrastructure & Cities die führende Rolle am Weltmarkt erarbeitet. Eine Division des Unternehmensbereichs verfolgt das Ziel, verschiedene Verkehrssysteme miteinander zu vernetzen, um Menschen und Güter effizient zu transportieren. Das Siemens World Center of Competence Fahrwerke (Bogies) in Graz/Österreich entwickelt und liefert weltweit Fahrwerke, Drehgestelle, Subkomponenten, Diagnosesysteme und Dienstleistungen für alle Typen des modernen Schienenverkehrs, vorzugsweise für das gesamte Produktspektrum der Siemens Division Rail Systems.

Der globale Markt ist von zunehmender Wettbewerbsintensität geprägt, so dass die Produktentwicklung unter wachsendem Zeitdruck verläuft. Die Fähigkeit, Produkte schneller als die Konkurrenz auf den Markt zu bringen, ist wettbewerbsentscheidend. Siemens setzt daher alles daran, den Produktentstehungsprozess (PEP) perfekt zu beherrschen und zu optimieren. Konkretes Ziel ist, die Produktentwicklungszeit von durchschnittlich 22 Monaten in den nächsten Jahren auf 15 oder sogar 12 Monate zu reduzieren. Dabei soll das Projektmanagement-Tool Oracle Primavera unterstützen. Die Verkürzung der Entwicklungszeit bringt eine Parallelisierung der heute oft noch sequentiell ablaufenden Prozessschritte und damit auch eine Informationsverdichtung mit sich, wobei gleichzeitig Zeitpuffer entfallen. Das stellt hohe Anforderungen an die Projektsteuerung, die Siemens Rail Systems mit Oracle Primavera unterstützt. Das Unternehmen hat im Pilotstadium ein zieleorientiertes Produktentwicklungsmanagement aufgebaut, das über die Ressourcen, die Entwicklungspläne und die Zielerreichung gesteuert werden kann. Jetzt lassen sich inhaltliche Ziele, Termine, Ressourcen und Kosten vernetzen und der Unternehmensbereich profitiert von einer präzisen, zeitnahen Projektsteuerung.

A word from Siemens AG: „"Unser Ziel ist eine deutliche Verkürzung der Time-to-Market. Die damit verbundene Parallelisierung von Prozessschritten, die massive Informationsverdichtung bei gleichzeitigem Wegfall von Zeitreserven bewältigen wir mit Oracle Primavera!“ – Helmut Ritter, Leiter des Engineerings Fahrwerke, Siemens AG Graz."

Mangelnde Transparenz bedeutet Wettbewerbsnachteil

Das große Anliegen von Siemens Rail Systems war die Verbindung des Anforderungsmanagements bei der Entwicklung der komplexen Systeme mit dem Ressourcen- und Projektmanagement. „Wir wollen nicht nur wissen, dass die Anforderungen von der Entwicklung nachweislich erfüllt werden, sondern wir wollen auch sicherstellen, dass sie mit den richtigen Ressourcen und zeitgerecht erfüllt werden – und zwar nachprüfbar über den gesamten Entwicklungsverlauf“, fasst Helmut Ritter, Leiter des Engineerings Fahrwerke, Siemens Austria, die Anforderungen zusammen.

Bisher wurden die Entwicklungsplanung und -steuerung durch unterschiedliche Werkzeuge unterstützt, die keine Schnittstelle zu dem System für die Anforderungsstatusverwaltung (ASV) hatten. Für die Ressourcen- bzw. Kapazitätsplanung setzte das Unternehmen ebenfalls eine Eigenentwicklung ein. Als dieses System immer größer und komplexer wurde, ließ es sich nicht mehr mit vernünftigem Aufwand warten. Die Steuerung von Produktentwicklungsprojekten beschränkte sich auf Termin- und Kostenziele und konnte die Verfügbarkeit von Ressourcen und den Grad der Zielerreichung nur mit großem Aufwand berücksichtigen – ein eindeutiger Wettbewerbsnachteil.

Die Zielerreichung wird Schritt für Schritt und in regelmäßigen zeitlichen Abständen kontrolliert. So kann der erste Grad eine Abschätzung des Entwicklungsingenieurs zur generellen Machbarkeit einer Vorgabe wie etwa eines Akustikziels von 60 Dezibel für einen Zug sein, der zweite dann eine Überschlagsberechnung, der dritte eine konkrete Berechnung unter Berücksichtigung aller Umgebungsteile und der letzte ein Test mit Versuchsaufbau oder ein Test im Zug selbst sein. Die einzelnen Stadien sichern den inhaltlichen Erfüllungsgrad ab. An diese Schätzungen ist ein Terminplan gebunden. Soll der Entwicklungsprozess effizient überwacht werden, ist eine synchrone Darstellung des jeweiligen Entwicklungsstandes erforderlich.

Verbindung zwischen Anforderungs- und Projektmanagement

Heute ist das komplexe Zusammenspiel beherrschbar. Das Monitoring erfolgt wöchentlich bis monatlich je nach Entwicklungsphase hinsichtlich Zielerreichung, Entwicklungsplan, verfügbarer Ressourcen sowie der Entwicklungs- und Produktionskosten. Dabei führt die Bereitstellung der Informationsbasis durch die Vernetzung der Informationssysteme nicht zu einem Mehraufwand für die Mitarbeiter, die an der Entwicklung beteiligt sind. Die Ressourcenplanung und das Projektmanagement mit dem Tool Oracle Primavera wurden vernetzt, die Anforderungssoftware über eine API XML-Schnittstelle angebunden.

Für den Abgleich von Terminen und Ressourcen hat der Bereich von Helmut Ritter den Abstimmungs- und Planungsprozess neu definiert. Durch die Zusammenführung der Ressourcen- und Entwicklungsplanung im gleichen System werden Inkonsistenzen sofort sichtbar. Aus der Planung wird automatisch eine Ressourcendarstellung generiert oder die Ressourceneingabe stellt automatisch ein Planungsszenario dar. Stimmen sie nicht überein, deutet das auf Fehler im Entwicklungsplan oder bei der Ressourcenplanung in der betreffenden Organisationseinheit hin. Folglich muss heute viel genauer geplant und abgestimmt werden als vorher, weshalb der Abstimmungsprozess neu aufgesetzt wurde.

Ziel in greifbarer Nähe

Von Vorteil ist auch das flexible Änderungsmanagement: Es lassen sich Arbeitspakete zum Entwicklungsplan hinzufügen oder entfernen, ohne dass sich die Referenzierung im Anforderungsmanagement ändert. Primavera erlaubt zudem die Verwendung von Templates, aus denen die Schnittstelle die Projektanlage generiert. Zusätzlich werden die Ressourcen-Informationen kontinuierlich zwischen den Systemen synchronisiert und die Ist-Stunden aus dem Stundenschreibungstool nach Primavera übertragen.

Die Siemens Business Unit hat vollständigen Überblick über die Arbeitsabläufe und Terminpläne, wie sie für den Entwicklungsplan erforderlich sind, und deren Übereinstimmung mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Es wird sofort sichtbar, ob ein Projekt machbar ist oder nicht. Inkonsistenzen und Verzögerungen, weil die Entwicklungspläne von der Kapazitätsplanung separiert waren, gehören der Vergangenheit an. Das Ziel, die Entwicklungszeit und damit die Time-to-Market zu verkürzen, ist greifbar.

Advice from Siemens

Einer der wesentlichen Führungsaufgaben ist das Change Management: Mitarbeiter müssen ihre neue Aufgabe im Netz erkennen und umsetzen. Hintergrund ist, dass die vernetzten Systeme natürlich immer anfälliger auf „Undiszipliniertheit“ der Menschen reagieren. Vernetzung bedingt immer Folgefehler, die ein Mitarbeiter gar nicht abschätzen kann. 80% des Projektes sind Änderungen im Kopf. Alle Mitarbeiter müssen motiviert werden, absolut exakt zu arbeiten und das System exakt mit Daten zu befüllen.

Projekte dürfen nicht von außen, von Beratern, gemanagt werden, sondern müssen von Verantwortlichen des Business abgewickelt werden. Sie sind die einzigen, die die Sprache des Business und die Anforderungen genau kennen.


Challenges


  • Die Ressourcenplanung und das Projektmanagement für die Entwicklung von Fahrwerken und anderen Produkten für den Schienenverkehr sollten miteinander vernetzt werden, die Anforderungssoftware über eine Schnittstelle anbindbar sein.
  • Flexibilität im Änderungsmanagement sollte ermöglichen, Entwicklungspläne durch Hinzufügen oder Entfernen von Arbeitspaketen zu ändern, ohne dass sich die Zuordnung im Anforderungsmanagement ändert.
  • Es fehlte an Transparenz in der Vernetzung von Zielerreichung, Termin- und Kapazitätsplanung.

Solutions

  • Eine bidirektionale Schnittstelle zwischen der Anforderungsstatusverfolgung und Oracle Primavera sorgt für eine integrierte Termin- und Ressourcenplanung.
  • Die Datenablage in Primavera ist so systematisch, dass Änderungen in den Entwicklungsplänen ins Anforderungsmanagement eingebracht werden.
  • Alle Entwicklungsdaten lassen sich zu jeder Zeit zusammenführen, um den aktuellen Entwicklungsstand aufzuzeigen.
  • Durch die Verbindung des Anforderungsmanagements mit dem Projektmanagement lassen sich Ressourcen, Termin- und Entwicklungsinhalte, Entwicklungsziele, Budgetinformationen miteinander vernetzen. Änderungen in den Entwicklungsplänen werden automatisch in das Anforderungsmanagement übernommen.

Why Oracle


Siemens evaluierte verschiedene Multiprojektmanagement-Lösungen und entschied sich für Primavera für die Produktentwicklungsprozesse in der Siemens Division Rail Systems (des neuen Sektors Infrastructure & Cities) aufgrund der offenen und standardisierten API-Schnittstelle zur Anbindung von Fremdsystemen. Außerdem war Primavera in anderen Siemens Konzernbereichen seit mehreren Jahren im Einsatz. Daher konnte die zuständige IT in Erlangen dem Siemens Bereich Infrastructure & Cities Sector/ Rail Systems in Graz die Projektmanagement-Lösung sehr schnell für eine Pilotinstallation zur Verfügung stellen.

Implementation Process


Die Implementierung von Oracle Primavera und die Schnittstellen-Anbindung an das Tool zur Anforderungsstatusverwaltung wurden innerhalb von sechs Monaten umgesetzt und im September 2011 abgeschlossen. Die neuen Prozesse und Verfahren werden in den Regelbetrieb übergeführt, um die Wettbewerbsfähigkeit des Siemens Unternehmensbereichs langfristig steigern zu können. Derzeit befindet sich das Projekt in der Pilotphase.

Why proadvise


proadvise betreut Siemens seit acht Jahren beim Einsatz der Projektmanagement-Software Oracle Primavera. Im Laufe dieser Jahre hat der Partner viel Know-how sowohl im Konzern Siemens als auch in der Anwendung von Primavera erworben. Daher kann die Software in weiteren Fachbereichen schnell implementiert werden. proadvise hat die Beratung übernommen, die Schnittstellen zwischen der ASV (Anforderungsstatusverwaltung) und Primavera spezifiziert und die Aktivitäten zwischen dem Entwicklungspartner evosoft, dem Fachbereich Infrastructure & Cities Sector/ Rail Systems Division in Graz und der IT in Erlangen koordiniert.

  

1 [Quelle: http://www.oracle.com/us/corporate/customers/customersearch/siemens-primavera-cs-1873994-de.html]

 

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